Institut für Kreativität und Pädagogik, Marielle Seitz - München

Johannes Volkmann – Papiertheater

„Vor der Frage was können wir tun, kommt die Frage wie müssen wir denken“. (Joseph Beuys)

Vor einiger Zeit entdeckte ich durch einen Zufall von dem Projekt des Künstlers Johannes Volkmann. Es war während einer Rundfunksendung in der das Buch zu dem Projekt vorgestellt wurde. Das Projekt heißt „unbezahlbar“ und ist eine großartige Aktion, die mit keiner Währung der Welt aufzuwiegen ist.

Dazu gibt es ein Buch mit dem Titel unbezahlbar und ist nicht als Buch unbezahlbar. Doch hat dieses Buch schon einmal 2 verschiedene Preise, was für den Buchmarkt mit Preisbindung ungewöhnlich ist. Über den Buchhandel kann man es regulär für € 34,00 erwerben und alternativ als „Wander Geschenk“ für € 29,00 direkt beim Verlag Erlesene Bücher bestellen. Das ist keineswegs die „Billigausgabe“ des Buches unbezahlbar, sondern damit trifft man selbst eine Entscheidung. Nämlich die Entscheidung, ob man dieses Buch regulär für € 34,00 kaufen und besitzen oder für € 5,00 weniger erwerben und nicht besitzen, sondern weitergeben möchte. Auf dem Schuber befindet sich dann ein Stempel „Wandergeschenk“ und im Sinne des Autors Johannes Volkmann kann hier eingetragen und dokumentiert werden, wie das Buch von Hand zu Hand wandert.

Eine schöne Idee, die den Kommerz des Handels mit Büchern nicht unterbricht, aber dem Wunsch und der Vorstellung entspricht, dass das Leben reicher wird, wenn man Dinge teilt. In diesem Sinne ist das „Wander Geschenk“ auch gedacht und konfrontiert uns mit der grundsätzlichen Frage, ob man das Buch materiell besitzen (und damit mehr bezahlen) will oder sich vom Besitz befreien möchte und damit weniger Geld ausgibt. So bekommt der Leser einen ideellen Wert und das Wander Geschenk belebt soziale Kontakte.

Der Künstler Johannes Volkmann ist nicht nur der Verleger und Autor des Buches, sondern auch Initiator des Projekts „unbezahlbar“. Seit nunmehr 4 Jahren reist Johannes Volkmann mit dieser Initiative in verschiedene Länder auf der ganzen Welt. Er kooperiert und initiiert – sucht Partner und Kontakte zu Stadtverwaltungen und baut nach erteilter Genehmigung einen langen Tisch auf, den er mit einer weißen Papierbahn umhüllt. Hunderte von einzelnen eingewickelten Tellern und auch das Besteck liegen auf  dieser großen weißen Tafel und rote Filzstifte liegen ebenfalls bereit.

Mit diesem Tisch will er ein Sinnbild für Gemeinschaft und Diskussion schaffen, denn die eingepackten Teller können von den Besuchern „gefüllt werden“ und zwar mit der jeweils ganz persönlichen Antwort „was ist für mich unbezahlbar in meinem Leben“. Viele haben inzwischen auf dem Tisch ihre Meinung geäußert, d. h. auf die Teller geschrieben und ihre Vorstellung von einem immateriellen Wert mitgeteilt. Es sind berührende, menschlich verständliche und zutiefst befriedigende Werte: Heimat, Zeit, Kinder, Erinnerungen an meine Großeltern, mein eigenes Leben, Stille, Zeit mit guten Freunden, jeder einzelne Moment, die Welt, loslassen, schweigend am Meer sitzend… Und dann… dachte Johannes Volkmann darüber nach, wie all diese Gedanken der Teller lebendig werden könnten. Warum überwiegt die Gier nach Geld oft mehr als die nach einem sinnvollen menschlichen Leben?

Johannes Volkmann möchte, dass diese Frage viele Menschen erreicht. Das Buch und Projekt von Johannes Volkmar gibt Anregungen zum Nachdenken und zur Eigeninitiative – auch in der Pädagogik. Das Thema kann überall, sowohl im öffentlichen Raum als auch im Klassenzimmer, umgesetzt werden. Das ist Johannes Volkmann ein Anliegen und er steht dabei auch zur Verfügung. Dabei zeigt er Großzügigkeit und gibt im Buch eine Art Anleitung zur Nachahmung, wohl gemerkt mit der notwendigen Stringenz in Ästhetik und Urheberschutz.

Das sind die Bedingungen – ZITAT:

„Der Tisch soll frei von kommerziellen Gedanken allen Mitmenschen zur Verfügung stehen. Er darf nicht als Werbefläche für politische, religiöse, oder wirtschaftliche Zwecke verwendet werden, sondern er steht ausschließlich der Frage zur Verfügung: Was ist unbezahlbar?

Der Tisch soll im öffentlichen Raum als sichtbares Zeichen aufgebaut werden. Er ist auch ein ästhetisches Erlebnis und soll deshalb sorgfältig und formschön errichtet werden.

Der Tisch darf nur von Einzelpersonen oder gemeinnützigen Organisationen errichtet werden, nicht von Firmen, Agenturen, oder Verbänden.

Der Tisch hat eine urheberrechtliche Bedingung: Ich möchte darüber informiert werden, wann und wo er errichtet wird. Hilfestellungen bei der Realisierung können gerne angefragt werden.

Der Tisch und die Teller sollen fotografiert werden, damit sie über die Webseite des Papiertheaters jedem zugänglich gemacht werden können“.

Für das Projekt unbezahlbar an Schulen steht Johannes Volkmann auch gerne für die Realisierung zur Verfügung.

Interessierte können sich über die Web Seite www.unbezahlbar.dasPapiertheater.de informieren und mit dem Künstler Kontakt aufnehmen.